Eine Feldenkrais-Ausbildung in Zeiten von Corona

1. Grundlegende Gedanken

Seit Monaten erleben wir alle wie unsere vertraute Welt aus den Fugen gerät. Es gibt kaum einen Lebensbereich, der von den Auswirkungen nicht direkt oder indirekt betroffen wäre. Auf den unterschiedlichsten Ebenen ist jeder von uns immer wieder neu gefordert, sich auf die sich ständig verändernden Herausforderungen einzustellen. Der Versuch, das Unplanbare zu planen erscheint da oft wie die Quadratur des Kreises.

Braucht es in solchen Zeiten noch Feldenkrais und Feldenkrais-Lehrer*innen?

In Zeiten wie diesen, in denen viele liebgewonnenen Überzeugungen ins Wanken geraten, scheint es durchaus berechtigt, auch diese Frage zu stellen. Wobei es ganz im Sinne der Feldenkrais-Methode ist, sich dieser Frage auf der Grundlage von Erfahrungen zu nähern. Deshalb möchten wir ein paar persönliche Erfahrungen der letzten Monate schildern:

Von einem Moment auf den anderen war es nicht mehr möglich gewesen die gewohnten Feldenkrais-Angebote vor Ort anzubieten. Viele Schüler*innen und Klient*innen haben uns berichtet, wie sehr ihnen durch diese Situation deutlich geworden ist, welchen wichtigen Platz das Lernen mit der Feldenkrais-Methode in ihrem Leben hat. Dank der neuen digitalen Technik konnten wir verschiedenen Möglichkeiten nutzen, um den „Lernfaden“ nicht abreißen zu lassen. Nun kamen die wöchentlichen Feldenkrais-Angebote zu den Schüler*innen und Klient*innen nach Hause. Das positive Echo war überwältigend. Die Lektionen in Bewusstheit durch Bewegung wurden gerade in dieser Ausnahmesituation als wirkungsvolles Mittel gesehen, um immer wieder in einen guten Kontakt mit sich selbst zu kommen und seine eigenen Möglichkeiten auszuloten. Als es dann endlich wieder möglich war sich live zu begegnen, wurde der Schatz der persönlichen Begegnung in einem gemeinsamen Lernraum noch mal ganz anders gewürdigt.

Eine besondere Stärke der Feldenkrais-Methode ist gerade in diesen Zeiten sehr unterstützend: Die Feldenkrais-Methode fördert jene Kraft in uns – heute oft Resilienz genannt – die uns hilft, mit den Widrigkeiten des Lebens besser umzugehen, ja im besten Fall sogar gestärkt aus diesen Situationen hervorzugehen. In einer Artikelserie von Sabina Graf-Pointner ist dieser Zusammenhang umfassend beleuchtet.

Sie finden den Artikel hier auf unserer Webseite unter: https://feldenkraisausbildung-nuernberg.de/aktuelles/artikel-2/

Eines der Kernthemen der Feldenkrais-Methode ist, mit Hilfe von Bewegung herauszufinden, wo und wie uns unbewusste Gewohnheiten daran hindern, Neues zu lernen und uns weiterzuentwickeln. Dabei bestimmen Gewohnheiten nicht nur maßgeblich unsere persönliche Art, uns durchs Leben zu bewegen, sondern durchdringen unsere Kommunikation mit anderen, unsere Beziehungen, sowie soziale und gesellschaftliche Strukturen und Verhaltensweisen. Wie wichtig deshalb eine „Inspektion“ unserer Gewohnheiten auf ihre Tauglichkeit für unser heutiges Leben ist, beschreibt Dr. Moshé Feldenkrais schon vor über 40 Jahren in seiner letzten Ausbildung in Amherst (USA) sehr eindrücklich:

“The human species is now at great difficulties because they don’t know how to go out of the old habits. They haven’t got the faintest idea how to see the world in a more constructive, helpful way. And you can see that the difficulty is in every one of us for the simplest movement.”

Die menschliche Spezies ist heute in großen Schwierigkeiten, denn sie weiß nicht, wie sie sich von alten Gewohnheiten befreien kann. Sie hat nicht die leiseste Ahnung, wie sie die Welt auf eine konstruktivere, hilfreichere Art sehen kann. Und du kannst sehen, dass sich diese Schwierigkeit in jedem von uns, in der einfachsten Bewegung zeigt.

Lernen zu können – als Einzelne, wie als Gesellschaft – ist die wichtigste Fähigkeit, um in Zeiten großer Herausforderungen nicht unterzugehen. Die Feldenkrais-Methode – oft auch als die „Kunst, das Lernen zu lernen“ bezeichnet, ist ein kraftvolles Mittel, um neue Wege zu entdecken, anstatt in alten Gewohnheiten festzustecken. Auch in Zukunft werden Feldenkrais-Lehrer*innen wichtig sein, um andere Menschen in ihren persönlichen Lernprozessen zu begleiten und zu unterstützen.

Besondere Bedeutung in einer Feldenkrais-Ausbildung kommt dabei auch dem Lernen in einer Gruppe zu. Eine feste Gruppe ist eine kostbare Ressource, um gemeinsam, statt einsam zu lernen – sie macht das Lernen vielfältig, lebendig, überraschend, kraftvoll und inspirierend.

Oder, um noch einmal Dr. Moshé Feldenkrais zu Wort kommen zu lassen:

“We cannot improve – I by myself or you by yourself…. we are one in the same boat as far as the world, as far as the cosmos is concerned. We are all a human species that will either disappear together or we live together.”  (Amherst, 1980)

Wir können uns nicht verbessern – weder ich für mich allein noch Du für Dich allein… wir sind alle eins, im gleichen Boot, in Bezug auf die Welt oder den Kosmos. Wir sind alle menschliche Wesen und entweder verschwinden wir zusammen oder leben zusammen.

Einen neuen Weg einzuschlagen ist immer auch ein Wagnis und in diesen Zeiten vielleicht noch mehr als sonst, doch ohne den Mut, sich auf das Unbekannte einzulassen, versäumen wir vielleicht auch all die Kostbarkeiten, die uns unterwegs begegnen können.

Keiner kann heute sagen, welche Herausforderungen schon morgen an unsere Türe klopfen und so möchten wir unsere Gedanken zur aktuellen Situation mit der Hoffnung schließen, dass unsere Zuversicht in unsere Stärken und unsere Fähigkeit zu tiefer Menschlichkeit uns durch diese stürmischen Zeiten tragen mögen.

 

2. Corona-Konzept

Im Moment gibt es aufgrund der Corona-Krise weltweit weitreichende Veränderungen und eine große Unsicherheit, die fast alle Bereiche des Lebens erfasst. Dies betrifft natürlich auch unsere Ausbildung. Deshalb stellen wir hier unser Konzept vor, das es ermöglicht, auch unter diesen Bedingungen die Ausbildung zu beginnen und durchzuführen.

Grundlegend, auch für unsere Ausbildung, sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Verordnungen der Gesundheitsämter. Diese befinden sich zurzeit immer noch in ständiger Veränderung und Anpassung an die jeweilige Situation.

Darüber hinaus sind wir an die Richtlinien des FVD e.V, dem Feldenkrais Verband Deutschland zur Durchführung von international akkreditieren Ausbildungen gebunden. Diese Richtlinien wurden an die Corona-Situation angepasst und ermöglichen, einen bestimmten Prozentsatz der Ausbildungstage virtuell zu unterrichten. Die bisherigen Ergebnisse in Feldenkrais-Ausbildungen weltweit sind sehr vielversprechend und insgesamt positiver als erwartet.

Unsere Ausbildung wird dennoch alles daran setzen, so viel Live-Unterricht wie möglich anzubieten. Doch wenn es die Situation erfordert, werden wir ggf. auch digitale Formen des Unterrichts einsetzen, um den Prozess der Ausbildung im Fluss zu halten.

Unser Ausbildungsteam wird alles tun, was in unseren Möglichkeiten steht, um die Qualität der Ausbildung zu sichern und wenn möglich sogar zu erhöhen.

Wenn sie mehr erfahren wollen über dieses Thema oder andere Bedenken haben, stehen wir gerne zur Verfügung.